Bull Put Spread auf den S&P 500: Was 35 Jahre zeigen
„Jeden Monat 250 Dollar Prämie, und der Index muss nur nicht abstürzen.” So wird diese Strategie in Trading-Kursen gern vorgestellt — als ruhiges Monatseinkommen mit Optionen. Wir haben sie geprüft: mit echten Optionskursen der letzten zwei Jahre und mit einer Rechnung, die bis 1990 zurückreicht.
Kurz vorweg: Die Strategie funktioniert. Nur nicht immer — und wenn sie nicht funktioniert, dann richtig nicht.
Die Strategie in einfachen Worten
Man verkauft eine Versicherung gegen fallende Kurse. Konkret:
- Am Anfang jedes Monats wird ein Put auf den S&P 500 verkauft, weit unter dem aktuellen Stand. Die Regel: Delta etwa 0,10. Grob heißt das: Der Markt rechnet mit rund 10 % Wahrscheinlichkeit, dass der Index bis zum Verfall darunter liegt.
- Gleichzeitig wird 50 Punkte tiefer ein Put gekauft. Er begrenzt den Verlust, falls es doch schiefgeht.
- Laufzeit: der Monatsverfall im Folgemonat. Im Januar also der Verfall vom Februar, ab Februar der vom März und so weiter.
- Gehalten wird bis zum Verfall. Kein Stopp, kein vorzeitiges Schließen.
Dafür gibt es pro Kontrakt meist 220 bis 250 Dollar Prämie. Bleibt der Index über dem verkauften Strike, gehört die Prämie ganz einem. Fällt er unter den gekauften Strike, ist der größtmögliche Verlust erreicht: rund 4.750 Dollar.
Was genau getestet wurde
Teil 1 — echte Kurse: Dezember 2024 bis Oktober 2026, jeden Monat ein Trade nach genau dieser Regel, insgesamt 22 abgeschlossene Trades. Die Preise stammen aus tatsächlichen Abschlüssen beider Optionen am Einstiegstag — nicht aus geschätzten Werten.
Teil 2 — die lange Rechnung: Für die Zeit seit 1990 gibt es keine vollständigen Optionskurse. Dafür haben wir die Optionspreise aus der Schwankung nachgerechnet, die der Markt damals tatsächlich eingepreist hat, und das Verfahren an den echten Kursen aus Teil 1 abgeglichen. Das ergibt 440 Monate mit derselben Regel. Abgerechnet wird jeweils mit dem tatsächlichen Indexstand am Verfallstag.
Die Spielregeln der Rechnung: 13 Dollar Kosten pro Trade, ein Kontrakt pro Monat, keine Steuern, keine Zinsen auf das gebundene Geld. Weil der neue Trade schon läuft, bevor der alte verfällt, liegen zeitweise zwei Positionen gleichzeitig im Depot. Gebunden sind deshalb rund 9.500 Dollar pro Kontrakt — darauf beziehen sich alle Prozentzahlen.
Befund 1: Zwei Jahre ohne einen einzigen Verlust
Die echten Kurse sehen aus wie aus dem Lehrbuch:
- 22 von 22 Trades im Plus
- Prämie typischerweise rund 270 Dollar
- rund 3.200 Dollar Gewinn pro Jahr und Kontrakt — etwa +34 % auf das gebundene Kapital
Knapp wurde es nur einmal: Im April 2025, beim Einbruch nach den Zollankündigungen, lag der Index zwischendurch 5 % unter dem verkauften Strike. Bis zum Verfall hatte er sich wieder erholt — der Trade endete mit voller Prämie. Wäre der Verfall auf den Tiefpunkt gefallen, wäre es der maximale Verlust gewesen.
Befund 2: Über 35 Jahre sieht es anders aus
Die lange Rechnung bestätigt zunächst das Bild: Ein normales Jahr bringt rund +30 %. Doch nicht jedes Jahr ist normal.
8 von 35 Jahren endeten im Minus:
| Jahr | Ergebnis auf das Kapital |
|---|---|
| 2001 | −86 % |
| 2008 | −83 % |
| 2022 | −46 % |
| 2020 | −37 % |
| 2002 | −33 % |
| 2011 | −29 % |
| 2016 | −19 % |
| 2018 | −18 % |
Zwischen 2001 und 2002 summierten sich die Verluste auf mehr als das gesamte eingesetzte Kapital. Wer damals mit einem Kontrakt pro 9.500 Dollar gehandelt hätte, wäre blank gewesen.
Warum das so ist: Ein guter Monat bringt rund 260 Dollar. Ein schlechter kann 4.750 Dollar kosten. Ein einziger Totalverlust frisst also die Prämie von gut 18 guten Monaten. Die Strategie lohnt sich nur, wenn etwa 95 von 100 Monaten gutgehen — und genau an dieser Grenze bewegt sie sich über die Jahrzehnte. In ruhigen Phasen fühlt sie sich an wie geschenktes Geld. In Crashjahren gibt sie es auf einen Schlag zurück.
Befund 3: Auf Einzelaktien geht dieselbe Regel schief
Naheliegende Idee: Dieselbe Regel auf Aktien anwenden, die eine ähnlich hohe Prämie bringen. Wir haben die acht Aktien aus dem S&P 500 genommen, die Anfang November 2026 mit genau dieser Regel 200 bis 270 Dollar Prämie brachten — darunter Tesla, UnitedHealth, Adobe und Accenture — und sie über dieselben zwei Jahre gerechnet.
Ergebnis: rund −5 % pro Jahr, obwohl 88 % der Trades im Plus endeten. UnitedHealth (−37 % pro Jahr) und Accenture (−56 % pro Jahr) brachen im Testzeitraum ein, und ihre Verluste fraßen alle Gewinne der anderen.
Der Grund ist einfach: Eine Aktie bringt bei dieser Regel nur dann so viel Prämie, wenn der Markt ihr gerade große Sprünge zutraut — meist, weil sie Ärger hat. Wer nach hoher Prämie sucht, sucht nach Risiko. Beim Index verteilt sich das auf 500 Firmen, bei einer Einzelaktie nicht.
Was diese Zahlen nicht sagen
Zwei Jahre echte Kurse sind eine einzige Marktphase. Sie zeigen, dass die Rechnung zur Wirklichkeit passt — nicht, wie oft Crashjahre kommen. Dafür ist die lange Rechnung da.
Die lange Rechnung ist ein Modell. Sie bildet Optionspreise aus der damals gehandelten Schwankung nach. Abgeglichen mit den echten Kursen liegt sie bei der Prämie eher etwas zu niedrig — die Ergebnisse sind also eher vorsichtig gerechnet, nicht geschönt.
Gerechnet wurde mit fester Größe. Ein Kontrakt pro Monat, kein Zinseszins, keine Zinsen auf das gebundene Geld, keine Steuern. Wer kleiner handelt als ein Kontrakt pro 9.500 Dollar, hat entsprechend kleinere Prozentzahlen — in beide Richtungen.
Es wurde nichts optimiert. Die Regel ist genau so getestet, wie sie gelehrt wird. Ein angepasster Abstand oder ein anderer Einstiegstag sähe im Rückblick vielleicht besser aus und würde weniger bedeuten.
Was bleibt
Drei Sätze:
- Auf dem S&P 500 bringt der Bull Put Spread in normalen Jahren richtig gutes Geld — die letzten zwei Jahre ohne einen einzigen Verlust.
- Der Preis dafür sind seltene, aber heftige Crashjahre: Ein schlechter Monat frisst 18 gute, und in Jahren wie 2001 oder 2008 war fast das ganze Kapital weg.
- Entscheidend ist deshalb nicht die Regel, sondern die Positionsgröße: so klein, dass auch ein 2008 das Konto nicht abräumt.
Verwandte Auswertungen: Gewinne mitnehmen — 4.860 Trades im Test · Order Block und Liquidity Sweep — 15.000 Trades im Test · Alle Strategie-Checks
Diese Auswertung ist eine Modellrechnung und keine Anlageberatung. Vergangene Kursverläufe sagen nichts über künftige Ergebnisse. Optionen können zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Methodik und Rohergebnisse stellen wir auf Anfrage zur Verfügung.