Was ist Gamma Exposure (GEX)?

Gamma Exposure (GEX) zeigt, wo Market Maker ihre Options-Positionen absichern müssen — und in welchem Modus der Markt gerade schwankt: eher ruhig oder eher heftig. GEX ist damit vor allem eine Linse für die Schwankung eines Werts.

Wie funktioniert GEX?

Wenn du eine Option kaufst, übernimmt ein Market Maker die Gegenseite. Um sein Risiko zu neutralisieren, muss er Delta-Hedging betreiben — also Aktien kaufen oder verkaufen, je nachdem wie sich der Kurs bewegt.

Gamma beschreibt, wie schnell sich dieses Delta ändert. Je höher das Gamma an einem bestimmten Strike, desto mehr muss der Market Maker nachsichern, wenn der Kurs sich diesem Strike nähert.

Positives vs. negatives Gamma-Regime

  • Positives GEX — der Stoßdämpfer. Market Maker kaufen, wenn der Kurs fällt, und verkaufen, wenn er steigt. Das dämpft Bewegungen: Die Kurse laufen eher ruhig, große Ausschläge sind seltener. Typisch für ruhige Marktphasen.

  • Negatives GEX — das Gaspedal. Market Maker verkaufen, wenn der Kurs fällt, und kaufen, wenn er steigt. Das verstärkt Bewegungen: Die Ausschläge fallen eher größer aus, nach oben wie nach unten. Typisch für nervöse Phasen und Sell-Offs.

Die wichtigsten GEX-Levels

Call Wall

Der Strike über dem Kurs mit dem meisten Call-Gamma. Hier liegt die größte Absicherung auf der Call-Seite — hier müssen Market Maker am meisten nachsichern, wenn der Kurs in die Nähe kommt.

Put Wall

Der Strike unter dem Kurs mit dem meisten Put-Gamma. Das Gegenstück auf der Put-Seite: Hier sitzt die größte Absicherung gegen fallende Kurse.

Beide Walls sind Orientierungspunkte. Sie zeigen dir, wo im Optionsmarkt am meisten Gamma liegt. Wie der Kurs dort reagiert, hängt vom Regime und vom übrigen Markt ab.

Gamma Flip

Der Kurs, an dem GEX von positiv zu negativ wechselt. Darüber dämpfen Market Maker Bewegungen eher, darunter verstärken sie sie eher. Der Gamma Flip ist die Grenze zwischen Stoßdämpfer und Gaspedal.

Wer bewegt den Kurs eigentlich? Die zwei Spieler

Ein häufiges Missverständnis ist, dass „die Großen“ eine einheitliche Gruppe sind, die den Kurs steuert. Tatsächlich sind am Markt zwei völlig verschiedene Spielertypen unterwegs — mit ganz unterschiedlichen Rollen.

Die Market Maker — sie hedgen mechanisch

Market Maker wetten nicht auf eine Richtung. Ihr Geschäft ist, Optionen bereitzustellen und an der Handelsspanne zu verdienen. Damit sie dabei kein Risiko tragen, sichern sie sich über die Aktie ab (Delta-Hedging) — mechanisch, ob sie wollen oder nicht.

Ob dieses Hedging bremst oder antreibt, hängt vom Gamma-Regime ab:

  • Positives Gamma: Die Market Maker handeln gegen den Kurs. Steigt er, verkaufen sie; fällt er, kaufen sie. → Bewegungen werden gedämpft.
  • Negatives Gamma: Alles dreht sich um. Sie kaufen in die Stärke und verkaufen in die Schwäche — und verstärken so die Bewegung.

Die Richtungs-Fonds — sie geben die Richtung vor

Hedgefonds, Asset Manager und große Institutionen wetten sehr wohl auf eine Richtung. Sie kaufen, weil sie steigende Kurse erwarten, oder verkaufen, weil sie auf fallende setzen. Sie geben einer Bewegung den Anstoß.

Das Zusammenspiel — warum aus der Bremse ein Gaspedal wird

Damit löst sich eine Frage auf, die sich viele stellen: Warum sollte überhaupt jemand gegen eine Bewegung handeln, wenn er doch Geld verdienen will?

Die Antwort: Die, die bremsen, sind nicht die, die die Richtung vorgeben. Der Market Maker will gar keine Richtung — er sichert nur mechanisch ab. Der Fonds will sehr wohl eine Richtung. Zwei verschiedene Spieler mit zwei verschiedenen Zielen.

Und jetzt der entscheidende Moment: Rutscht der Kurs unter den Gamma Flip ins negative Regime, dreht das Hedging der Market Maker um. Aus denen, die eben noch gebremst haben, werden welche, die der Bewegung folgen müssen. Die Bremse wird zum Gaspedal — und die Schwankung wird größer.

Was bedeutet das für dich?

Als Privatanleger bewegst du den Kurs nicht — diese Marktmacht hast du nicht, und du brauchst sie auch nicht. Es geht darum, zu sehen, in welchem Modus der Markt gerade ist: Stoßdämpfer oder Gaspedal.

Das ist gut zu wissen, bevor du eine Entscheidung triffst — gerade bei Optionen, deren Preis stark davon abhängt, wie heftig sich der Kurs bewegt.

Wo GEX bei Trady einfließt

Bei den Option-Ideen — den Stillhalter-Strategien nach Art der tastytrade-Schule, von Covered Call und Cash-Secured Put bis zum Jade Lizard — steht das Gamma-Regime als Hinweis direkt an der Idee: „Positives Gamma – ruhigere Kurse erwartet“ oder „Negatives Gamma – größere Ausschläge erwartet“. In die Bewertung der Idee rechnet es nicht hinein. Ist das Gamma des Gesamtmarkts negativ, schlägt der Wochen-Scanner keine Call-Verkäufe vor.

Warum ist GEX wichtig für Trader?

  1. Schwankung einschätzen — Positives GEX heißt: eher ruhige Kurse, kleinere Tagesspannen. Negatives GEX heißt: eher größere Ausschläge.

  2. Regimewechsel sehen — Rutscht der Kurs unter den Gamma Flip, wechseln die Market Maker vom Bremsen ins Mitlaufen. Ab dann werden Bewegungen eher verstärkt.

  3. Optionen einordnen — Wie stark sich ein Kurs bewegen dürfte, bestimmt, was eine Option wert ist. Das Regime hilft dir, Prämien und Risiko einer Optionsposition einzuordnen.

  4. Wissen, wo das Gamma liegt — Call Wall, Put Wall und Flip zeigen dir, wo im Optionsmarkt am meisten abgesichert wird.

Ein Beispiel

Angenommen SPY steht bei 570 und die GEX-Daten zeigen:

  • Call Wall: 580 (meistes Call-Gamma über dem Kurs)
  • Put Wall: 555 (meistes Put-Gamma unter dem Kurs)
  • Gamma Flip: 565
  • Regime: Positiv (SPY steht über dem Flip)

Das bedeutet: SPY steht im Stoßdämpfer-Modus — Market Maker dämpfen die Bewegung, die Schwankung dürfte eher klein bleiben. Bei 580 und 555 liegt das meiste Gamma, dort sichern die Market Maker am meisten ab. Fällt SPY unter 565, kippt das Regime ins Gaspedal: Ab dann werden Bewegungen eher verstärkt.

Wie nutzt Trady GEX-Daten?

Trady berechnet GEX aus der Options Chain und zeigt die Ergebnisse direkt im Chart:

  • GEX im Chart — Schalte in der Werkzeugleiste die Pille „GEX“ ein. Dann siehst du drei Linien im Kurs-Chart: grün die Call Wall, orangerot die Put Wall und gelb gestrichelt den „Flip“. Oben im Chart erscheint dazu ein Chip mit dem aktuellen Regime: γ++ Seitwärts, γ+ Gedämpft, γ- Volatil oder γ— Beschleunigt (bei schmalem Chart nur das Zeichen, etwa „γ+“). Fährst du mit der Maus darüber (am Handy: antippen), erklärt er, was die Market Maker gerade tun und was das für die Schwankung heißt.

  • AI-Aktienanalyse — Wenn du den AI-Coach nach einer Aktie fragst, holt Trady die GEX-Daten dazu: Net GEX, Gamma-Regime, Call Wall, Put Wall und Gamma Flip. Der Coach ordnet ein, ob der Wert gerade eher gedämpft oder eher verstärkt schwankt und wo das meiste Gamma liegt.

  • Markt-Briefing — Das tägliche Briefing analysiert die aggregierte GEX-Situation für den S&P 500 und ordnet ein, ob der Gesamtmarkt in einem positiven oder negativen Gamma-Regime handelt.

  • Alternative Daten — Neben GEX bezieht Trady auch den DIX (Dark Index) von SqueezeMetrics ein, der zeigt ob Institutionen im Dark Pool eher kaufen oder verkaufen — ein komplementäres Signal zur GEX-Analyse.

Du musst die GEX-Daten nicht selbst berechnen — Trady zeigt sie dir direkt im Chart, und der AI-Coach erklärt, was sie gerade bedeuten.

Zusammenfassung

KonzeptBedeutung
GEX positivStoßdämpfer — Market Maker dämpfen Bewegungen, eher ruhige Kurse
GEX negativGaspedal — Market Maker verstärken Bewegungen, eher größere Ausschläge
Call WallStrike über dem Kurs mit dem meisten Call-Gamma
Put WallStrike unter dem Kurs mit dem meisten Put-Gamma
Gamma FlipGrenze zwischen Stoßdämpfer und Gaspedal
Market Makerhedgen mechanisch — dämpfen oder verstärken, je nach Regime
Richtungs-Fondswetten auf eine Richtung und geben Bewegungen den Anstoß

GEX ist kein Indikator im klassischen Sinne — es beschreibt die mechanische Realität des Optionsmarkts. Market Maker müssen hedgen, ob sie wollen oder nicht. Wer diese Dynamik kennt, sieht auf einen Blick, in welchem Modus der Markt gerade schwankt.